Udo erzählt mir, dass er gar nicht gemerkt hat, dass sein Ausweis abgelaufen ist. Zu Hause sehe ich mal auf meinen. Aha, läuft demnächst ab. Also gehe ich zum Rathaus und bekomme dort einen Zettel mit der Behördennummer. Die rufe ich an und rede erst mit einer Maschine, dann mit einem Mitarbeiter. Ich bekomme einen Termin, an dem der Ausweis dann schon abgelaufen sein wird. Die Zeit vergeht, der Termin rückt näher und Corona auch. Es kommt ein Anruf. Der Termin muss wegen der Epidemie abgesagt werden, wann denn der Ausweis abläuft. ‚Der ist schon abgelaufen.‘ ‚Dann versuche ich mal noch was Anderes.‘ Jetzt bekomme ich sogar einen früheren Termin. Ich bin pünktlich da, und alles geht glatt. Nach einiger Zeit kommt ein Brief, dass ich den Ausweis abholen könne, die Felder sind freizurubbeln. Hä? Was für Felder? Ach, das Bunte. Gibt es was zu gewinnen? Da mach ich erst mal gar nichts und lass mir das erklären. Ich rufe wieder die 115 an. Das Band teilt mit, dass ich für das Abholen keinen Termin brauche. Na dann. Ich laufe zum Rathaus. Abholung nur nach Terminabsprache unter der Nummer soundso. Die schreibe ich auf. Es meldet sich niemand. Es ist Freitag, ich versuche es Montag. Nichts. Nochmal die 115. Der Roboter sagt wieder, dass ich keinen Termin brauche. Das weiß ich inzwischen besser. Nun möchte ich doch mit einem Menschen verbunden werde. ‚Sehr gern‘ sagt der Computer. Dann spielt eine ulkige Melodie ewig lange. Ich lege auf. Noch mal zum Rathaus. Ich suche Rat beim Pförtner. Er schiebt mir einen Zettel mit einer E-mailadress durch die Scheibe. ‚Ich habe kein Internet.‘ ‚Dann fragen Sie Ihre Söhne.‘ Gute Idee. Da der Herr wohl keine Lust hat, mir weiterzuhelfen, frage ich ihn ‚Mit wem könnte ich denn noch reden?‘ ‚Mit niemandem.‘ Ich gehe dennoch zur Abfertigungstür und bitte um Hilfe. ‚Warten Sie.‘ Nach einer Weile ‚Kommen Sie, Platz 3‘. Eine freundliche Dame gibt mir den Ausweis, erklärt, dass ich nichts rubbeln muss, wenn ich nicht dies und das über das Internet erledigen möchte. Möchte ich nicht. ‚Aber werfen Sie es nicht weg, falls Sie später mal …‘ Ist gut. – Beim Rausgehen muss ich dem Pförtner sehr höflich sagen, dass ich es unmöglich finde, wie er mich behandelt hat. Er lässt sich zu einem ‚Dann weiß ich jetzt Bescheid‘ herab. Sein Kollege meint, ich hätte einfach nur Glück gehabt, dass ich rangekommen bin. Jetzt könnte ich noch den Roboter anrufen und ihm sagen, dass er mir 2 x eine falsche Auskunft erteilt hat. Er wird sagen ‚Sehr gerne, ich verbinde mit einem Mitarbeiter‘. Und dann kann ich für den Rest des Tages die Endlosmusik hören.