Als ich wegen totaler Erschöpfung in der Klinik war, betonte ich stets: ‘Ich bin todtraurig und verzweifelt. Das ist in meiner Situation völlig normal. Ich bin nicht depressiv.’ So ist es. Ich bewundere den Psychiater Viktor Frankl. Er war in vier Konzentrationslagern und schrieb danach das Buch ‘trotzdem Ja zum Leben sagen’. Frankl sagte: ‘Man muss sich nicht alles von sich gefallen lassen.’ Mit diesem Rat bin ich gut klargekommen. – Aber heute ging nun gar nichts mehr. Weil mir die Wohnung verleidet wurde, bin ich rausgegangen. Da sehe ich, dass der Rhododendron im Hof blüht. Es ist, als habe ich den Frühling verpasst. Es sieht jetzt im Tiergarten bestimmt toll aus. Und ich habe kein Auto. Mit Auto stünde ich nur in zweiter Spur. Kein Parkplatz weit und breit. Heidrun kommt auch nur noch, wenn Heinz sie bringt. Kein Auto. Also auch kein Laufen. Laufen ist gut für alles, besonders für die Psyche. Keine Ausstellungen. Vielleicht noch in der einen oder anderen Galerie. Zu träge, um mich hin zu bemühen. Ich gehe lustlos ums Karree. Beim Nachhausekommen treffe ich meinen Nachbarn. Ich erzähle von meinen Bemühungen um einen Blog. ‘Da kann ich dir helfen. Ich klingle morgen oder übermorgen.’ Super! Alles wird gut! Aufräumen und morgen die Haare waschen und Niko bescheid sagen.
Und vielleicht kommt morgen ein Anruf, dass eine Wohnung frei wird, und Samstag habe ich sechs Richtige im Lotto, und es erscheint mein Blog, und ein netter junger Mann liest meine Texte und möchte mich kennenlernen …