Carmen

Ich hab ja schon geschrieben, dass ich Carmen über den Umweg der Filmmusik zu Carmen Jones kennen gelernt habe. Den Film hab ich gar nicht gesehen, aber ich hatte die Platte.  Dann sah ich Carmen im Fernsehen bei Dagmar in Kreuzberg. Ich war mit Uwe da und Dagmar stichelte ‚Guck gut hin, Uwe, das kann dir blühen‘. Viel später wartete ich an der Staatsoper auf eine nicht abgeholte Karte. Die Kassiererin winkte mich ran, ‚Erste Reihe, 50 Mark‘. Das war happig. ‚Gönnen Sie sich das, es singt eine ganz wunderbare Carmen‘. Also gut. Ohne Studentenausweis hätte der Platz 100 Mark gekostet. Die Carmen war wirklich ein Genuss, schlank, attraktiv und jung. Man glaubte sofort, dass sich alle Männer in sie verlieben müssten. Danach kaufte ich die Opernplatte. Gesungen wurde Französisch. Wieder später sah ich eine moderne Inszenierung. Carmen trug eine Motorradmontur. Na ja.

Gestern hab ich Carmen auf dem Handy gesehen. Es wurde gesagt, dass da die beste Irgendwas der Welt sänge. Die Stimme war tatsächlich enorm. Mir war die Dame zu dick. Wohl auch zu alt. Der Mann, der da an ihr klebte und ihretwegen starb, hätte sich doch eher in das Mädchen mit dem roten Fastnichtsanfummel verknallt.   

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