Der Sechste Sinn

Einemillionmal hatte H.-O. ‘Ich liebe dich’ gesagt. Plötzlich am Telefon wusste ich, dass es diesmal nicht stimmte. Es klang wie immer, aber ich   w u s s t e ,   dass er log. Obwohl ich noch nicht wusste, dass er eine Andere hatte und sich auf dem  Absprung befand. 

Die Freundin eines gemeinsamen Bekannten, die bei demselben Arzt wie ich war, sah blühend aus. Sie war schwanger.’Von wem?’ fragte ich den Arzt. ‘Ist doch egal’, meinte er, ‘hauptsache ein Kind’. Was wir da sagten, war doch ungeheuerlich. Viel später stellte sich heraus, dass der Arzt der Vater war. Er hätte ja damit rechnen können, aber woher wusste ich es? 

In der Prüfung beruhigte ich Rainer, dass er nicht durchfallen werde, wohl aber Haase. Haase? Er galt als fleißig und war kein Wackelkandidat. Rainer bestand, Haase fiel durch.

Ich glaubte fest an meine telepathischen Fähigkeiten und daran, dass ich Menschen ‘verfluchen’  konnte. Heute glaube ich nicht mehr an eine übersinnliche Begabung. Nur mit dem Handy passiert es noch oft: Ich klappe es vor dem Pieps auf, und es kommt eine Nachricht. – Es klingelt. Lächelnd gehe ich zur Tür. Das ist Rhishi, der vom Goethe-Institut kommt. Ich öffne – es ist der Paketbote mit einer Sendung für meine Nachbarn. 

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