Die Schulzeit

An meine erste Lehrerin habe ich nicht die leiseste Erinnerung. Auf dem Zeugnis steht Frau Schulze und sie schrieb „überrascht durch eine gute Darstellungsgabe“. Aha, und was ist das? In der ersten Klasse kann doch nur der mündliche Ausdruck gemeint sein. Leider kann ich mich an keinen Pieps von mir aus dieser Zeit erinnern. Dann kam das Versetzungszeugnis. „Sie liest sogar sehr gut“. Ja, ich habe schnell lesen gelernt und viel gelesen. – In der zweiten Klasse unterschreibt eine Frau Steinbach. Auch an sie kann ich mich nicht erinnern. Versäumte Tage 61. Ja, ich war oft krank. Auf dem Zeugnis war ich ein aufgewecktes Kind, folgsam und fleißig. – Versetzungszeugnis in die 3. Klasse, „ein aufgeschlossenes kluges Mädchen“. Ein  kluges Mädchen und  dann in Rechnen eine 4? – Dann starb mein Vater. Ab jetzt kann ich mich besser erinnern. Versetzt in Klasse 4. Rechnen gut. Das hab ich ganz anders in Erinnerung. Ich stand da wie blöde, sollte eine Mal-Aufgabe lösen, begriff das Prinzip überhaupt nicht und sagte wie beim Lotto eine beliebige Zahl. Ich war wohl durch den Tod meines Vaters total blockiert. Wie konnte  ich aber bei diesem Totalversagen eine Zwei bekommen? Vielleicht habe ich mich schnell wieder berappelt. In einem Zeugnis steht „Werken gut“. Was haben wir denn da gewerkelt? Keinen Schimmer. Auf dem nächsten Zeugnis ist das Wort „Werken“ durchgestrichen und handschriftlich durch „Handarbeit“ ersetzt. Und da hatte ich eine Zwei. Wir haben gestickt und gehäkelt. 

Ich wüsste ohne die alten Zeugnisse so gut wie nichts über meine Grundschulzeit. Meinen Mathelehrer in der Sechsten konnte ich sehr gut leiden. Er hieß Herr Classo – oder so ähnlich.

Nach der Grundschule kam der TZ, die Georg-Graf-von-Arco-Schule. Probehalbjahr bestanden. Bei einer Frau Dittrich. Im folgenden Zeugnis muss ich mir in Wort und Schrift mehr Beherrschung auferlegen. „Wort“ kann ich verstehen, aber „Schrift“? Was hab ich denn da Unverschämtes zu Papier gebracht? Dann bekam ich Frau  Buschberg und behielt sie bis zum Ende der 10. Klasse. Auch bei ihr sollte ich beherrschter werden. – An der Unterschrift des Erziehungsberechtigten sehe ich, dass ich immer noch bei der erste Pflegemutter war, Das Abschlusszeugnis war recht mäßig. Frau Zinn hat es trotzdem geschafft, mich aufs Gymnasium zu bringen. Da war sie schon meine Pflegemutter. Frau Zinn habe ich alles zu verdanken, was ich heute habe und bin. Sie hat die Weichen gestellt. Später konnte sie die Richtung nicht mehr ändern. Das Abitur habe ich dann im Heim gemacht. 

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