Wahrscheinlich wusste ich noch nichts über Beuys, hatte aber schon viele Ausstellungen gesehen, aber dieses Kunstwerk kannte ich nicht und war hingerissen. Ein Stapel alter Schultafeln, wie ich sie nur noch kurz kennengelernt hatte, schwarz mit deutlichen Gebrauchsspuren mit Kreideschrift bedeckt. Ich spürte
die Schüler und Lehrer vor der Tafel. Die Prüfungsangst, das pädagogische Bemühen. Welche Schicksale verbargen sich hinter diesen Schulrelikten? Diese Tafeln waren ein Geniestreich, ergreifend, eine starke Erinnerung.
Ich hätte nur genauer hinsehen müssen. Das war keine Schrift von Schülern oder Lehrern. Das bemerkte ich damals nicht und war berauscht von der Idee und Darstellung. Ich sah das Kunstwerk mehrmals und irgendwann las ich auch die Erklärung. Und das war unglaublich enttäuscht. Es waren Aufzeichnungen des Künstlers, seine Arbeitsnotizen.
Heute in einer Beuys-Ausstellung war wieder eine seiner Tafeln zu sehen. Ich sah kaum hin. Ist eben Beuys, wie Filz und Fett und die Zitrone. Als die alten schwarzen Tafeln durch neue grüne ersetzt wurden, hat man sie wohl irgendwo hingeworfen. Und Beuys hat sie als Schmierpapier benutzt. Heute sind wohl auch die schönen grünen Magnettafeln veraltet, vielleicht sogar der Overheadprojektor. Unterricht geht über den Bildschirm. Was sagt der Lehrer zu den Schülern? ‘Tippen Sie mal auf das und das’? Was ist das gegen den Satz ‘Jutta Klose, an die Tafel!’?