Kein Pieps

Über die wirklich wichtigen Ereignisse in meinem Leben steht kein Pieps in meinen alten Tagebüchern. Mein größter Erfolg war das Abitur. Kein Wort darüber. Ich war zwar noch wie gelähmt vor Erschöpfung, vielleicht auch zu ausgelaugt, um mich zu freuen, aber wenigstens ein ‘Ich habe es geschafft’ könnte doch da stehen.

Auch heute noch behaupte ich, dass die sensationellste Wendung in meinem Leben der Umzug aus dem Keller in meine Wohnung  war. Nichts darüber im Tagebuch. Weder wie und mit wem ich den Umzug bewältigt habe, noch wie aus dem Saustall nach und nach bewohnbare Räume wurden. Auch keine Erwähnung, dass Irmchen gestorben ist und von wem ich es erfahren habe.

Ja, was habe ich denn da seitenweise geschrieben? Völlig hysterisches Zeug über idiotische Gefühlsverirrungen. Immer dasselbe Geschwafel  über angebliche Liebe und neue und alte Bekanntschaften. Heute weiß ich nicht mal mehr, wer hinter den Namen steckt. Bis auf Harri waren das wohl nur kurze geistige Aussetzer. 

In der Kellerwohnung ging es ums nackte Überleben, da bin ich bestimmt in keine Ausstellung gegangen, aber in der Vorbergstraße konnte ich mich waschen und saubere Sachen anziehen. Bin ich da nicht ins Museum gegangen? Eintrittskarten, Faltblätter und so was hab ich erst Jahre nach dem Umzug aufgehoben. Wenn ich es mir recht überlege, ging das erst mit L. los. Wahrscheinlich war er sogar der Initiator. Meine erste Ausstellung mit ihm war wohl über das Quilten. Das war toll. Später nähte ich dann eine Patchworkdecke. Nach dem Schock, dass er mich dann so schnell nicht mehr wollte, habe ich allmählich alleine was unternommen. Und dann kamen auch andere kunstinteressierte Begleiter. Nur davon steht nirgends was. Höchstens mal ‘schöne Ausstellung’. – Gut, heute steht nur noch ‘Edeka’ oder ‘Aldi’ da. Aber es herrscht ja auch Corona, Heute bin ich geimpft worden. Vielleicht ist bald wieder alles normal, irgendwie glaube ich nicht daran. Es wird wohl anders werden.   

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