Wir sind in der Alten Nationalgalerie und gehen von Raum zu Raum. Ein Bild mit einer Mühle. Ich gehe vorbei. Da sagt Antonia: ‘Haben Sie gesehen, ein van Gogh’. Was? Ich gehe noch mal zurück. Das Bild ist für mich keine Sensation, aber ein van Gogh! Da muss ich doch genauer hinsehen. Heute sehe ich in einer Zeitung eine Abbildung des Werkes. Oh, ein van Gogh! Gleich ausschneiden.
Antonia ist verreist und ich bin allein bei Guggenheim. ‘Über das Erhabene’, Werke von Rothko. Nichts drauf zu sehen. Ich schreibe an Antonia: ‘So erhaben fand ich es nicht’. Sehe ich heute einen Rothko, erstarre ich vor Ehrfurcht. Heute weiß ich auch, wie man ihn ausspricht, mit ‘t’, nicht mit einem englischen ‘th’. Rothko – einfach erhaben.
Einmal kam ich angekichert nach Hause und war ganz sicher, der Maler lacht sich schlapp über unsere Doofheit, mit der wir seine Bilder bewundern. Blau. Nichts als blau. Ein monochromes patentiertes Blau. Sehe ich heute ein Werk von ihm, stürze ich gleich hin. Ah, ein Yves Klein! Toll, dieses Blau!
Ich glaube, es ist die Freude über das Erkennen. Aber ich finde das jetzt doch wirklich schön. Was hat sich geändert? Man lernt auch das Kunst Ansehen. Ein Schauspieler hat mal gesagt, man erkennt ein gutes Theaterstück, wenn man viele gesehen hat, und ein gutes Kunstwerk auch, wenn man sehr viele gesehen hat. Mir geht es jedenfalls so. – Aber mir fällt auch meine erste Ausstellung mit Doro ein. Es war am Lützowplatz. Ich erinnere mich nur an viel Rot, wahrscheinlich abstrakt. Ich war wie besoffen vor Begeisterung. Das war wohl die Geburtsstunde meines Kunstinteresses. Meine späteren Nachforschungen, was das für eine Ausstellung war, hatten keinen Erfolg. Den kleinen Katalog für 50 Pfennige hab ich nach einem Wasserschaden weggeworfen. Ich Idiot! Heute nähme ich den Katalog auch mit vielen Flecken. So habe ich nur Erinnerungsfetzen. Deutlich geblieben ist das Glücksgefühl.