Bei H.s wurde ‘normal’ gegessen. Wenn es Kotelett gab, auch mit Messer und Gabel. Im Heim aßen wir manierlich, aber ohne den Zwang, die Ellenbogen an den Körper zu pressen. Bei Volker zu Hause wurden die Schnitten mit Messer und Gabel gegessen, was ich unbequem und überkandidelt fand. Dann bekam ich von den Eltern die Einladung, beim Abendbrot mitzuessen.Da Volker mich liebte, konnte ich ihn bitten, mit mir zusammen ohne Besteck zu essen. Das Abendbrot begann, wir griffen nach den Stullen und bissen hinein. ‘Volker, du hast ein Besteck!’ ‘Es geht doch auch so’ ‘Aber dafür sind Messer und Gabel da’ – Kein Wort an mich, kein Blick zu mir. Volker wurde an meiner Stelle gerügt. Ich habe durchgehalten, mich aber in Grund und Boden geschämt. – Erst als ich älter war, wusste ich, dass die Eltern zwar mit Messer und Gabel essen konnten, sich aber schlechter benahmen als wir. Es ist unhöflich, den Gast auf seine mangelnden Tischmanieren hinzuweisen. Bis heute bin ich bei Tisch nicht perfekt. Ich lecke zwar keine Teller ab, schlürfe die Suppe nicht und schneide Kartoffeln nicht mit dem Messer. Aber ich weiß nicht, wie man Artischocken isst und kann nicht mit Stäbchen umgehen.
Da fällt mir der Besuch in einem ‘besseren’ Restaurant mit Michael ein. Auf meinem Teller lag eine Beilage, geschnitten in dünne Streifen, es roch und schmeckte sehr gut, und ich fragte den Kellner, was das sei. ‘Kartoffeln’ antwortete er. Michael schämte sich fremd und meinte: ‘Mit dir kann man nur zu einer Imbissbude gehen.’