Nachlese   5. Mose 24,15

Den größten und schönsten Weihnachtsbaum hat jedes Jahr Familie XY. Er ist so groß, dass mir beim Transport einmal eine Türdekoration abgerissen wurde. Wird der Baum aufgestellt, liegen die Zweige, die abgetrennt werden mussten, unten im Hausflur zum Verschenken. Einmal hatte ich Glück und konnte sie komplett mitnehmen. Dieses Jahr lagen sie auf der Fußmatte vor der Wohnungstür. Da darf ich nicht einfach zugreifen, sie könnten für den Nachbarn oder den Friedhof sein. Am nächsten Tag lag nur noch ein dürftiger Zweig unten im Flur, ich war zu spät, hab ihn aber genommen und auf dem Balkon befestigt. Als es gestern im Treppenhaus poltert, sehe ich aus dem Fenster. Der riesige Baum wird entsorgt. Ich greife nach Gartenschere und Plastiktüte,  gehe runter und schneide ein paar schöne noch recht frische Zweige ab. Die stecke ich dann verteilt auf dem Balkon in die Blumenkästen, ärgere mich, dass ich nicht mehr genommen habe, will aber meine Gier nicht unterstützen und lasse es dabei. Morgens beim Duschen sehe ich auf den Blumenkasten. Alles vertrocknet, erfroren und vergammelt. Wegen Corona hat mein Blumenspezialist geschlossen, sonst hätte ich schon längst was unternommen. Was tun mit dem Gestrüppkasten? Kurz, ich gehe noch mal runter und hole was fürs Bad. Nun ist es aber gut! Dann muss ich in die Apotheke. Die Gartenschere ist mir wohl von allein in die Tasche gesprungen, jedenfalls schneide ich auf dem Rückweg noch ein bisschen Tanne für den Küchenkasten ab. Es sieht so schön aus! – Vielleicht ist es der Familie gar nicht recht, dass ich aus ihrem Weggeworfenen noch so viel Schönes mache. Ihr Balkon ist kahl, meiner wunderschön.

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