Während ich über das Weihnachtsbaumplündern schreibe, fällt mir ohne erkennbaren Grund eine Begebenheit von vor mehreren Jahren ein. Es war warm. Am Winterfeldplatz frühstückten die Gäste draußen. Ein Paar hatte Brot, Käse und sonstiges übriggelassen, war aufgestanden und schon vom Tisch weg. Da kam ein etwas abgerissener Mann, nahm eine Scheibe Käse vom Teller und steckte sie in den Mund. Die Bedienung stürzte hinzu, nahm den vollen Aschenbecher und schüttete ihn auf dem Teller aus. – Das ist schon so lange her und ich verstehe noch immer nicht, warum sie das gemacht hat. Es war ein beliebtes Cafe, sie wollte wohl die Gäste vor Belästigung durch einen Hungernden schützen. Sie hätte aber auch die Reste in eine Serviette wickeln und dem Mann geben können. – Hier weiß doch jeder, wie ich mich mit dem Balkon anstelle, und auch, dass ich sicher keinen eigenen Weihnachtsbaum habe. Es wäre so nett gewesen zu fragen „Möchten Sie sich vielleicht ein paar Zweige abschneiden?“ Der Baum wurde vier Treppen runtergetragen, ich hab die Zweige drei Treppen wieder hochgebracht. Es bedarf so wenig, dem Nächsten eine Freude zu machen. Aber ich bin wohl nicht der Nächste.