Negerpüppi

Ich war erst kurz in der Pflegefamilie und hörte, dass die Tochter zu Weihnachten eine Negerpuppe bekäme. Die Oma sagte ‚nen Swatten‘  und bestrickte das Puppenkind.  Die Freude zu Weihnachten war groß.

Etwas später lief der Film ‚Toxi‘, und alle fanden Toxi süß. 

Wir aßen – besonders  zu Kindergeburtstagen – Negerküsse, z. B. ohne die Hände zu benutzen. Negerküsse heißen heute Schaumküsse. Mohrenköpfe waren dagegen ein Gebäck, das heute Schokokuss heißt.

Jahre später, als ich mit Michael befreundet war, sah ich in einem großen Spielwarengeschäft eine besonders hübsche Negerpuppe und kaufte sie. Michael hatte mal erzählt, dass er sich als Kind eine gewünscht hatte und sie natürlich nicht bekam. Jetzt stand ich vor seiner Tür und schenkte ihm eine. Er rief sofort seine Mutter an. ‚Du glaubst nicht, was mir Jutta mitgebracht hat. Eine Negerpüppi!‘ 

Noch später wollte ich selbst eine haben. Da gab es keine mehr.

Wie immer, wenn ich nicht weiter weiß, zücke ich mein schlaues Kästchen und gebe ‚Negerpuppe‘ ein. Na bitte! Da sind sie. Und das Wort steht auch noch da. 

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