Das war damals ein neuartiger Stoff, leicht, duftig, glänzend. Die Oma in meiner Pflegefamilie nähte und nähte. Meine Pflegemutter und ihre Tochter hatten immer sehr schöne und modische Garderobe. Ich durfte draußen sein und stand mit anderen Kindern unten im Hausflur. Da ging die Wohnungstür in der Belle Etage auf und Mutter und Tochter schwebten in hinreißenden bunten Organdykleidern die Marmortreppe hinab. Alle starrten sie mit offenem Mund an. Ah, oh, wie schön! Und dann wurde ich gefragt, ob ich nicht traurig sei, weil ich nicht so was Schönes bekam. Überhaupt nicht! Es war für mich das Allerschönste, wenn beide weggingen und ich auf der Straße spielen konnte. Ein Gefühl von Freude und Freiheit. Es war wohl die Abwesenheit von Angst.