Privilegiert

Mein lebenslanges Elend ist die Obdachlosigkeit. Ich wollte von Frau Z. weg und zog für knapp zwei Monate in ein scheußliches Untermietszimmer. Dann nahm mich Frau L. auf, und ich schlief im Zimmer von Wolfgang. Frau L. vermittelte mir dann den Keller. Meine jetzige Wohnung war viele Jahre Baustelle und zeitweise unbewohnbar. Dann sollte ich hier raus, mit allen Mitteln, und die Mittel waren nicht zimperlich. 

Aber: Ich lebe nicht auf einem Stück Pappe unter einer Brücke. Damals wollte ich in die Czeminskistaße ins Obdachlosenasyl. Ich bekam einen Brief, dass mir als Einzelperson kein eigenes Zimmer zustünde. Ich müsste es mit einer anderen Person teilen. Da geht es mir hier doch Gold. Wenn ich rund um die Uhr schikaniert werde, dann hab ich aber doch Innentoilette und Warmwasser. 

Wenn ich zu Aldi oder Edeka gehe, kann ich kaufen, was ich will, benötige weder Rollator noch Stock, sehe und  höre gut genug. Ich bin doch privilegiert. 

Hinterlasse einen Kommentar