Als ich Claude kennenlernte, empfand ich sie als eine Freundin. Erst als sie mir ihre Mutter vorstellte, wurde deutlich, dass sie eine andere Generation ist. Bei unseren Gesprächen merkte ich zunächst nichts davon, unsere Interessen und Ansichten lagen nicht so sehr weit auseinander. Aber als ich sie gestern traf, fiel es mir dann doch auf. Ich erzählte von meiner Impfung und sie fragte, ob ich ‘happy’ sei. Dann bewunderte sie meine Stiefel und die Jeansjacke und fand beides ‘stylisch’. Aha, ich fing an nachzudenken. Jeder Jahrgang hat seine eigene Sprache. Was wir damals so sagten, ist heute gar nicht mehr zu verstehen. Als Kinder fanden wir etwas ‘knorke’, ‘dufte’ oder ‘schnafte’. Wenn später etwas gut war, nannten wir es ‘bedient’. Auch Musik konnte ‘bedient’ sein. In der Unterhaltung mit einem Bandmitglied der Magics benutzte ich die Ausdrücke ‘background’ und ‘sound’, ohne genau zu wissen, was sie bedeuteten, war jedenfalls alles ‘bedient’. – Als später die Jugendlichen alles ‘geil’ fanden, zuckte ich erst zusammen, das war doch ein obszönes Wort, das man nicht aussprach. Ein hübsches junges Mädchen war eine ‘geile Alte’. Etwas später wurde aus ‘geil’ ‘cool’.
Wir fanden es peinlich, wenn Ältere unsere Sprache benutzten und sich damit anbiederten. Ich werde es mir also verkneifen, ‘stylisch’ zu sagen, es höchstens denken, wenn ich mich besonders chic finde.