Schon bei Frau H. schrieb ich Tagebuch. Das wurde mir damals zum Verhängnis als meine Pflegemutter es vorgeIesen hat. Später bei Frau Z. fing ich wieder damit an und im Heim schrieb ich weite.Wenn ich heute lese, was ich damals geschrieben habe, finde ich das unerträglich, und einige Seiten hab ich auch schon verbrannt. Dann gab es eine lange Zeit, da schrieb ich seitenweise mit der Schreibmaschine. Alles wollte ich genau erzählen, beschreiben, erklären und festhalten. Dann schrieb ich in Kladden. Nicht mehr so ausführlich aber noch jeden Tag. In welcher Ausstellung ich war, wer angerufen hat oder wen ich getroffen hatte. Als die neuen Mieter einzogen, schrieb ich, wie laut es war, ob ich nachts schlafen konnte, ob ich die Polizei rufen musste. Ich hatte an nichts mehr Freude und konnte nichts planen. In das Tagebuch trug ich nur noch Art und Dauer des Lärms und die Zeiten meiner Einkäufe von den Kassenbons ein. Dann kam Corona, fast keine Ausstellungen mehr, wenig Verabredungen, kaum Besuch.