Wer gießt die Pflanzen?

Im Krankenhaus soll es so drei bis vier Tage dauern. Das halten die Pflanzen aus, wenn ich alles  gut vorbereite. Raffaela bietet an, dass ihre Kinder gießen könnten, weil sie ohnehin in der Wohnung wären. Oh nein, das kann nur ich. Raffaela wundert sich, dass ich so wenig Vertrauen zu ihren Kindern habe, aber ich müsste an jeden Topf einen Zettel mit der Pflegeanweisung kleben, nein, Blumen gießen kann nur ich. 

Am Morgen wird der Krankenhaustermin abgesagt. Raffaela schreibt, dass sich meine Pflanzen sicher freuen, von mir gegossen zu werden. Eigentlich könnte ich gleich damit anfangen und hole die Gießkanne – schwapp, Wasser läuft über. Nach faulen Eiern stinkendes Gießwasser plempert auf den Teppichboden. Alles runter nehmen. Aber das ist gar nicht so einfach. Die Ranken sind ineinander verwachsen und verknotet. Schwapp! Und noch mal Wasser auf den Teppich. Ich schneide Ranken ab, entferne welke Blätter, breche gesunde Blätter ab, wasche die Übertöpfe aus, stelle die abgeschnittenen Ranken ins Wasser, tupfe mit Küchenrolle den Teppich trocken, erneuere auch das Küchenrollenpapier auf dem Hocker, stelle alles wieder hin. – Oh Mann, wenn das Giorgio passiert wäre! Aber diese verantwortungsvolle Arbeit kann ich niemandem übertragen. Das kann eben nur ich..

Hinterlasse einen Kommentar