Arm und ganz allein

Hier in meinem Kiez kennt mich fast jeder. Beim Einkaufen bleibe  ich garantiert hier und da hängen. Mal ein paar Worte, ein Lächeln, eine Berührung oder auch ein ausgiebiges Gespräch. Manchmal denke ich, dass ich das alles nicht mehr will. Lieber mal in einer anderen Gegend neu anfangen, andere Leute kennenlernen. Andererseits habe ich hier nie das Gefühl, alleine zu sein. 

Heute war ich im feinsten Grunewald in einer Galerie, die ich noch nicht kannte. Da ich kaum was sehe und mich hier nicht auskenne, muss ich fragen – aber es sind kaum Leute auf der Straße.

Die Ausstellung war nett. Ich sah genau hin, aber auch immer wieder auf die schönen Räume in dem luxuriösen Haus. Ein paar Häuser weiter wohnt Joschka  Fischer. Aha, interessant.

Dann musste ich 20 Minuten auf den Bus warten. Es regnete leicht und es gab nichts zum Unterstellen. Wie schön es hier ist! Möchte ich hier her? Klar, unbedingt. Dann wäre ich die Ärmste unter den Reichen und ganz allein. Es gibt keine Geschäfte, wo kaufe ich dann ein? Und was ist, wenn ich zum Arzt muss? Wenigstens bin ich privat versichert.

Ich erzähle das einer vom Sehen Bekannten. ‘Bleiben Sie mal hier’, meint sie.

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