Bernice kommt

Bernice kommt

Sie ist die schönste Frau der Straße, wahrscheinlich des ganzen Kiezes und wohnt im sauteuen Haus nebenan in einer Luxuseigentumswohnung. Hier wohnen ‘bessere’ Leute, Akademiker, Apotheker, Lehrer, Journalisten. Manche Berufe sind so kompliziert, dass eine Bewohnerin meint, sie wisse gar nicht genau, was ihr Mann mache. Nun hat Bernice ihren Besuch angekündigt. Alarmstufe rot! Ich putze und räume auf, schmeiße Gebissreiniger ins Klo und gieße ein Schlückchen Rohrfrei in den Wannenausguss. Den Balkon wische ich mit Allzweckreiniger und versorge die Pflanzen. Die leeren Blumentöpfe werden ausgespült, Abgezupftes entsorgt. Möglichst viele Zeitungen müssen weg. Saubsaugen, Bad und Küche wischen, Müll weg, abwaschen, Bett machen, Schuhe reinigen und in die Kartons packen. Ich kaufe viel ein, Eis, Waffeln, Milch, Obst, Sahne, Mousse au Chocolat, Wasser und Bier.

Als ich Bernice von meinen Bemühungen erzähle, sieht sie sich um und fragt: ‘Wie sieht es denn sonst aus?’ Da begreife ich, dass es nicht wie ‘Schöner wohnen’ aussieht, sondern wie Umzug. 

Über mir Getrampel und Gepolter. Da soll ich neue Möbel anschaffen? Damit warte ich bis zur neuen Wohnung. Dann lade ich Bernice noch mal ein.

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