Das Blumenbänkchen

Das Blumenbänkchen

Bei Herrn Wenig hab ich das nicht gesehen, es stand wohl schon auf dem Hängeboden. Auch seine Tochter ließ es da. Als sie hochbetagt starb, wurde die Wohnung aufgelöst. Vieles wurde weggeworfen. Die neue Besitzerin fragte, ob ich Interesse an dem Regal hätte. Hatte ich nicht, ein wichtiges Teil fehlte. Das entdeckte dann doch noch im Müll und  adoptierte das Blumenbänkchen. Schön war es nicht, mich interessierte das Alter. Was hatte dieser Gegenstand für eine Geschichte? Meine Nachbarin war mit über 90 gestorben. Sie erzählte oft von ihrer Großmutter. Von ihr stammte auch das Wort ‘kasslattern’. Hatte sie das Bänkchen gekauft? Nicht für den Balkon, es waren keine Spuren eines Außenaufenthaltes zu sehen. Aber Spuren heftigen Gebrauchs. Von den Metallbeinen waren Ecken abgebrochen, aber das Holzbrett war völlig heil. Das hab ich dann auf dem Balkon kaputt gegossen. Auch das Metall rostete nun heftig. Das Brett zerbröselte. Ich wollte ein neues, möglichst aus Plastik. Das hat mir mein umweltbewusster Nachbar ausgeredet, und Hellwig schneidet auch kein Plastik zu. Also hab ich ein Holzbrett gekauft und dazu einen teuren Lack. Schöne Farbe! Fabian hat grundiert und mir Böcke und alle Handwerkssachen geliehen. Ich lackierte dann mehr schlecht als recht. Beim Auflegen des Brettchens stellte ich fest, dass das Metallregal auch mal grün war. Farbe hatte ich noch. Nun strich ich alles, einfach auf den Rost drauf, bis alle Farbe verbraucht war. – Die Blumenbank trocknet jetzt auf dem Balkon, den habe ich gründlich bekleckert. Ich vermute, ich habe ein Jahrhundert gestrichen. das ist doch faszinierend.

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