Ein Artikel über Freundschaften ließ mich über meine Freundinnen nachdenken. Viele Namen fielen mir ein, einige nicht mehr. Ich habe mich bis in die Nollendorfstraße zurück erinnert. Aber keine Freundin hatte ich von meiner Kindheit bis heute. Alle waren meine Freundinnen, weil wir ein gemeinsames Interesse hatten. Brigitte nur so lange, wie sie bei mir wohnte, Gabi nur während unserer Studienzeit, Ilona weil wir zusammen in die Diskotheken gingen. Die Mädchen im Heim kamen und gingen, mal war mir die eine, mal die andere lieber. Nach dem Heim verloren wir uns aus den Augen. Mit einigen Müttern meiner Schulkinder war ich befreundet, aber selten auch dann noch, wenn die Kinder nicht mehr bei mir waren. Ein paar Kolleginnen wurden Freundinnen, meistens nur so lange, wie wir zusammen arbeiteten. Auch aus einem Kuraufenthalt ergaben sich Freundschaften. Aber auch nicht für lange, nach einem längeren Briefwechsel erlahmte das Interesse.
Als meine erste Kinderfreundin von ihrer Mutter weggeholt wurde, war ich sehr traurig. Das war Liebeskummer, Meine Schulfreundinnen sah ich nach der Schule nicht mehr. Bei einem zufälligen Treffen blieb es bei einem Schwätzchen.
Eine richtige Freundin war Karin. Aber was heißt schon ‘richtig’? Ich liebte und bewunderte sie so sehr, dass ich es nicht ertrug, von ihr enttäuscht zu werden. Jetzt habe ich keine Herzensfreundin mehr, sondern nur Alltagsfreundinnen, wie das so im Zeitungsartikel unterschieden wurde. Ich habe einige Bekannte. Vorhin war Raffaela hier. An ihr liebe ich ihre italienische Herzlichkeit. Sie könnte eine Herzensfreundin sein, aber unsere Lebensbedingungen sind sehr verschieden. Aber, wie sie heute sagte, wenn man eine gemeinsame Wellenlänge hat, muss man sich nicht versichern, das man noch da ist. – Aber schön fände ich eine ständige Verbindung schon.