Hausfest

Hausfest

Das glaubt kein Mensch, aber der Gedanke kam von mir, nein aus dem Nebenhaus. Nummer 2 machte ein Hoffest. Ich wollte gern hin. Darf ich auch? Nein, nur für Hausbewohner. Dann vielleicht auch bei uns? Was wurde ich ob meiner Spießigkeit verhöhnt! Kein Platz, das will doch hier keiner. ist nur was für Doofe. Gut, dann nicht, schade. Die Zeit verging. Plötzlich ein Aushang im Flur. Ein Hoffest wird geplant. Wer möchte und bringt was mit. Bitte in Liste eintragen.

Nun hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Küche, kein Wasser, kein Klo, nichts. Ich konnte weder backen noch kochen. Die Liste füllte sich mit Gegrilltem, Salaten, Süßem. – Bei strömendem Regen holte ich mit dem Fahrrad meine Zeugnisse von Heinz ab und musste nun durch den Hausflur. Hier war das Büfett aufgebaut. Alle wussten, dass ich auf einer Baustelle im Schutt lebte. Trotzdem die Frage, warum ich mich nicht beteilige. ‘Wir haben hier alle unsere Sachen’: Ich hatte keine Sachen. Später erfuhr ich, dass einer der Hausbesitzer einfach nur Bier bestellt hatte. Das hätte ich auch gekonnt, wenn es mir einer angeboten hätte. Es war zu sehen, dass ich mich nicht in die Liste eingetragen hatte. Mir war klar, ich sollte ausgeschlossen werden. Ich nahm das sehr übel.

Beim nächsten Hoffest war ich dann schon mit den grillenden Mietern verkracht. Die wollte ich bei einem Fest nicht treffen.  Dann zog der größte Mangel meiner Wohnung ein, und die Situation verschärfte sich. Jahr für Jahr blieb ich dem Fest fern. Wenn der Aushang kam, hoffte ich, noch rechtzeitig eine Wohnung zu finden, um vorher ausziehen zu können, Corona bot eine Atempause. Keine Aushang, keine Liste. 

Heute ist wieder Hoffest. Lustig war der Aushang. Namen wurden gestrichen, neu geschrieben, wieder überkrakelt. Krieg auf einem Blatt Papier. 

Es regnet. Mir ist das Fest inzwischen schnuppe. – Allerdings nach drei Schnäpsen.

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