Immer dazwischen
In der Nollendorfstraße spielte ich gern mit den Kindern Murmeln. Auch als ich kein Kind mehr war. Meinem damaligen Freund war das zu blöde, er schmiss mich über die Schulter und schleppte mich in die Wohnung. Dabei war ich doch am Gewinnen. – Meine Freunde waren bis auf wenige Ausnahmen jünger als ich. Der F. gerade mal 18. Der Glaser ebenfalls. F. ist unglaublich fett geworden, der Glaser seit etlichen Jahren tot.- Ich hatte einen alten Vater. Man sollte doch meinen, dass ich mich zu älteren Herren hingezogen fühle. Nein, ich mag sie nicht. Sie haben Falten und schütteres Haar und halten sich am Geländer fest. Die jungen wollen mich nicht. Ich bin ihnen zu alt, zu faltig und halte mich am Geländer fest. Das Gespräch mit dem alten Herrn war interessant. Endlich konnte ich mit jemandem reden, der noch Seifen-Rode kannte, sich an den Bäcker erinnerte, die Trümmer erlebt hatte und sogar den ‘Führer’ noch kannte. Aber dann war ich doch tieftraurig, weil ich lieber in eine Ausstellung gegangen wäre. Ich habe niemandem, mit dem ich in Ausstellungen gehen könnte. Entweder alleine oder gar nicht. Niemanden, der mit mir in einen Kletterwald fährt. Bei Niko hab ich vorsichtig angefragt. Natürlich keine Antwort. Personen in meinem Alter sind behindert, zu gebrechllch oder fettleibig. Die jungen gesunden haben kein Intaeresse, was mit mir zu unternehmen. – Ich war damals mit Inge befreundet, aber als ihre Tochter halbwegs erwachsen war, war ich mehr mit ihr zusammen. – Zum Erinnern sind ältere Menschen viel interessanter, für die Freizeit aber die jüngeren angenehmer. Der schönste Mann aus unserem Haus, Student, hat nicht gewusst, was ein Zentner ist. Ich bin fast umgefallen vor Schreck. Zentner ist aus einer anderen Zeit. so wie Reibekeule oder Waschküche und Klopfstange. – Tja, ich hänge dazwischen.