Kunst

Ein Spaziergang ohne Ziel ist leeres Gelatsche. Also gehe ich trotz Kälte in eine Galerie  Fassungslos sehe ich mir die Bilder an. ‘Erschließt sich mir nicht’ sage ich zu der Dame am Tresen. Sie lächelt und meint: ‘Das habe ich schon öfter gehört’, Aber ich bin so froh in der riesige Halle, in der ich schon sensationelle  Ausstellungen gesehen habe. Endlich wieder in einer Ausstellung! Wie Marie bei Böll, denke ich, die musste ab und an katholische Luft atmen, ich muss hin und wieder Ausstellungsluft spüren. Treppe hoch zum zweiten Teil. Und da hört ja nun alles auf! Gekrakel wie von gelangweilten Schülern. Mir fällt der gezeichnete Witz ein: Das kann ich auch – Kannst du nicht. Ich denke an meine Nachbarin, die alles ‘hier’ fand und sich an die Stirn tippte, sich aber in der Küche Blümcheneinwickelpapier  an die Wand pinnte, weil sie das schön fand. Nie wollte ich so werden, immer erst abwarten, sacken lassen, noch mal hinsehen. Nein, hier fühlte ich mich doch veralbert. Prüfender Blick, darf ich das? und schnell ein Foto. Das glaubt mir ja sonst kein Mensch! Und dazu die Zeitungsartikel und Galerieinformation. Was für ein Genie der Künstler doch sei, wie berühmt seine Werke, welche bedeutenden Häuser diese angekauft haben. – Krikelkrakel. 

Zu Hause schreibe ich an Heidrun und ätze über das mitgeschickte Foto. Sie lästert zurück. Dann eine E-mail an Raffaela. Ein hämischer Text über das Bild mit dem Kindergekritzel  geht verloren, und Raffaela bekommt nur das Foto. ‘Habe gerade das Bild bekommen. Gefällt mir!’ schreibt sie zurück. Hä? Ich schreibe ihr, dass das Bild ohne den Text nicht verständlich sei. Sie antwortet: ‘Ich verstehe doch. Es handelt sich um einen Schutzengel, der ziemlich beschäftigt ist.’ Und ich schreibe ihr, dass ihr Sohn Giovanni Ähnliches auf seinen Bogen gekritzelt hat, wenn er sich bei meiner Nachhilfe gelangweilt hat. ‘Du bist so süß und siehst in dem Krikelkrakel einen Engel. Dann soll es so sein! Ein Engel, der dich beschützt. Liebe Grüße Jutta.’ Raffaelas Antwort: ’Danke liebste Jutta, möge der Engel dich auch beschützen! Schlaf schön! Raffaela.’

Nun schrieb ich wieder an Heidrun: ‘Zu dem Bild hätte ich inzwischen einiges zu sagen (…..) Ich sehe es immer wieder an. Erinnert es nicht etwas an die Engelserie von Klee? Vielleicht ist mein Herz schon zu verhärtet. Raffaelas ist dagegen übervoll. Wie gut, dass ich zwischen euch pendeln kann! Du erdest mich, Raffaela bringt die großen Gefühle. – Aber ehrlich, es ist doch Gekrakel! Liebe Grüße Jutta.’

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