Mein Nachbar
Mein Nachbar war so süß, so lieb und gar nicht alt, obwohl über achtzig.- Als ich bei Frau Zinn wohnte, hatte ich nicht den besten Ruf. Ich stand mit wechselnden Jungs im Flur rum. Wahrscheinlich waren die Hausbewohner froh, als ich auszog. Dann nach einigen Jahren zog ich wieder ein. Die Vormieter hatten die Wohnung ruiniert und Mitbewohner gestört. Mein Nachbar bat deshalb die Verwaltung ihm doch bitte angenehme Mieter als Nachbarn auszusuchen.
Meine Wohnungstür ging gleichzeitig mit der meines Nachbarn auf und wir standen uns gegenüber. Nach einem kurzen Moment der Überraschung begrüßte er mich sehr freundlich ‘Ach, Jutta, das freut mich aber!’ kein ‘Oh Gott, auch das noch!’ – Es wurde eine liebevolle Nachbarschaft. Abends holte er mich zum Fernsehen und einem Gläschen Sherry. Ich durfte bei ihm die Haare waschen und baden. als ich verreiste, fütterte er die Maus. – Ich lernte damals viele Männer kennen. Wenn ich eine neue Bekanntschaft mit nach Hause brachte, drückte ich an der Haustür auf den Klingelknopf meines Nachbarn, oben angekommen, ging dann seine Tür auf, und er kam mit zu mir rüber. Auch mal mit dem Spruch ‘Junger Mann, Sie kenne ich wohl noch nicht’.
Als er starb weinte ich und vermisse ihn noch heute..