Osterdekoration

Mit der Mutter eines Schülers hatte ich mich angefreundet. Wir waren auf irgend einem Trödelmarkt. Sie wusste von mir, dass ich unter Feiertagen litt und versuchte, sie möglichst zu ignorieren. An einem Stand sah ich eine gestickte Osterdecke. Ich kaufte die Decke. Die Freundin war fassungslos. Was willst du damit, du hast ja nicht mal einen Tisch dafür. 

Ein Damm war gebrochen. Bei folgenden Gelegenheiten kaufte ich Weihnachtsdecken, Christbaumschmuck, Osterdekoration, Adventskränze und hin und wieder einen Weihnachtsbaum. Ich habe nie eine Oster- oder Weihnachtsdecke aufgelegt, weil, wie gesagt, der Tisch dafür fehlt. Dann starb Heidruns Nachbarin. Ich sollte aus der Wohnung mitnehmen, was ich haben wollte. Kartonweise Weihnachtsbaumschmuck, unglaublich kitschige Dekosachen. Ich nahm alles mit. Zu Hause konnte ich den Überfluss kaum unterbringen. Fast alles neu und unbenutzt. Nur ein Karton, der in der Garage gestanden hatte, war muffig und die Kugeln sichtlich gebraucht. Das wollte ich nicht in der Wohnung lagern. Es war Spätsommer, die Sonne schien, und ich hängte die Silberkugeln in meine Efeuranken auf dem Balkon.  Ich fand das so toll und hatte strahlende Laune. Da hängen sie nun das dritte Jahr. Einige sind bei Sturm, anderen beim Umräumen kaputt gegangen. Macht nichts, es sind genug da.

In einer Email warnt mich Jutta davor, ein Messie zu werden. Na und, ich kann Messie sein, wie ich will. Heute schickt sie mir ein Foto von ihrem geschmückten Osterstrauß. Gleich morgen schmücke ich den Balkon mit vielen bunten Plastikeiern. – Aber en bische trauig ist das alles schon. 

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