Im Radio läuft eine Sendung über das Spazierengehen. Wie unglaublich erhebend, erholsam, entspannend, gesund das ist. Man sieht so viel Neues, Interessantes und Schönes. – Ich kann Spazierengehen nicht leiden. Es sind sinnlose Schritte, und die Leute drehen sich um, wo mein Hund bleibt. Denn ohne Not geht doch niemand allein durch den Wald! Horst A. nannte alleine spazieren gehen ‘Einsamkeit pur’. Genau das ist es. Mit einem netten Begleiter hat ein Spaziergang durchaus seinen Reiz. aber auch mit dem tollen Mann hätte ich gern ein Ziel, ein Denkmal, eine Brücke, einen Brunnen oder ein Cafe. – Trotzdem nehme ich mir nach der Sendung einen Spaziergang vor. Ich laufe in lausiger Kälte zu den Mercator Höfen. Die Potsdamer ist eine scheußliche Straße, laut, stinkig, schmutzig und hässlich. Neues gibt es hier nicht für mich, alles zum Mitsprechen tausendmal gesehen. Diesen Weg bin ich x-mal zum Rechtsanwalt gelaufen, den Grund verfluche ich für alle Zeiten! Früher liefen hier die Prostituierten oder saßen auf dem Barhocker auf der Straße. Später kamen dann die Galerien, und mir blieb der Mund offen stehen vor der Pracht der Treppenhäuser und Wohnungen. In einem Raum sagte ich: Das sieht ja aus wie ein Ballsaal!’ ‘Das w a r der Ballsaal’ bekam ich zur Antwort. – Die Ausstellung in den Mercator Höfen hat sich mir nicht erschlossen, zu einer weiteren hatte ich keine Lust. Zu kalt. Zum Glück ist der Hin- immer länger als der Rückweg. Bei Staroske holte ich noch eine Bratwurst, weil ich ja Vegetarier bin und überhaupt nichts mehr essen werde, bis mein Bauch platt ist wie ein Frühstücksbrett.