Sterbehilfe
Ich bin für eine bedingungslose Sterbehilfe und für eine bedingungslose Abtreiung. Zuerst die Sterbehilfe: Keine Atteste, Zwangsberatungen oder sonstwas. Man sagt nur, wie man gerne sterben möchte, ob Musik laufen soll und mit welchem Medikament. Vorher regelt ein Rechtsanwalt die Erbschaft und die Beerdigung. Es ist doch unmenschlichen, einem Lebensmüden zum Sprung aus dem Fenster oder vor einen Zug zu raten, und wenn man das nicht will zu sagen, dann könne es ja wohl so schlimm nicht sein. Das Argument gegen die Sterbehilfel, es könne einem ja später leid tun, ist ganz besonders blöde.
Eine Abtreibung sollte so früh wie möglich vorgenommen werden. Keine Fragen warum, kein Attest über irgendwas. Ich will kein Kind und Schluss.
Ich weiß wovon ich rede. Ich war im Heim und in Neutrauchburg. Im Heim habe ich erlebt, wie es den ungewollt schwangeren Mädchen ging, dass sie sich in einem Hinterzimmer die Gesundheit ruinierten.
Es gibt so große Verzweiflung, dass Gesprächstherapie und Sportangebote gar nichts bringen. Eine Patientin in Neutrauchburg fragte ich, ob sie sich nicht an der schönen Landschaft, am blauen Himmel erfreuen könne. Sie sagte nur, ist mir egal und soff ein Putzmittel. Nach dem Krankenhaus kam sie mit schwarzen Ringen unter den Augen zurück. Zu Hause, wahrscheinlich als geheilt entlassen, schaffte sie es dann. Ich erfuhr von ihrem Tod durch einen Mitpatienten.