Veränderungen
Ich liebe keine Veränderungen. Es soll alles so bleiben, wie ich es gewöhnt bin. Eben mache ich eine neue Packung gynokadin auf und bin erschrocken. Hab ich was Falsches, muss ich was umtauschen? Es ist wohl bloß eine Veränderung des Spenders. Aber wozu? Soll das chicer oder praktischer sein? Ich schmiere mir die Pampe zweimal am Tag irgendwohin und gut. Nun ein neuer Behälter.
Ich kann es nicht leiden, wenn bei Aldi und Edeka umgeräumt wird. Ich möchte alles an derselben Stelle finden und nicht rumsuchen.
Ich möchte kein neues Personal in den Museen, sondern Mitarbeiter, die ich mit Namen anreden kann. Und ich bin nicht begeistert, dass der Kaiser-Wilhelm-Platz nun Richard-von-Weizsäcker-Platz heißt. Und ich möchte, dass alle meine Bekannten noch da sind, und ich nicht durch diese Telefonansage erfahre, dass sie tot sind. Und am allerwenigsten gefallen mir die Veränderungen an meinem Aussehen. Ich möchte noch die hübsche Blondine sein. Meine schöne Wohnung wurde durch Baumaßnahmen verdorben. Nein, ich liebe keine Veränderungen.
Ausnahmen: Statt des störenden Mitbewohners hätte ich gern einen freundlichen neuen Besitzer. Statt der nicht mehr schönen Wohnung eine bessere.