Zwischenwelt

Mein Smartphone sagt ‘Zustand zwische Leben und Tod’. Das meinen ich nicht. Zwischenwelt ist z. B. die Vorbergstraße, nur wenige Meter breit. Auf unserer Seite die teuren Eigentumswohnungen. Hier wohnen Leute von der Presse, Akademiker, Lehrer. Gegenüber leben Hartz-vier-Empfänger, Menschen mit Betreuungsbedarf, mit Behinderung, Flaschensammler und Essensretter, mit Ofenheizung, einer ohne Strom. Unsere Häuser sind luxussaniert oder Neubauten. Gegenüber sieht es etwas schäbiger aus.Unsere Seite ist Südseite, gegenüber haben die Balkons nicht ein Fitzelchen Sonne.

Zwischenwelt, weil ich dazwischen lebe. Ich hab mich so gefreut, als hier Akademiker einzogen. Aber die mochten mich nicht. Mit den Bewohnern gegenüber habe ich recht guten Kontakt, aber dort gehöre ich nicht richtig dazu, das lassen sie mich schon spüren. In welchem Haus möchte ich gern wohnen? In dem teuren Neubau nebenan? Quadratmeter 5000 Euro. Ich weiß nicht. Da wäre ich vielleicht ein  Fremdkörper. Gegenüber? Bloß nicht, das wäre ein Abstieg. Nicht gleich bis in den Keller, aber fast. 

Meine Wohnung war einmal schön. Ich hatte einen so lieben Nachbarn. Frau Th. hielt schützend ihre Hand über mich und hütete meine Wohnung. Herr Jäger schenkte mir einen Wäschekorb. Als er starb, wurde eine von mehreren Kündigungen unwirksam. Ich hab geweint, weil ich glaubte, er musste sterben, damit ich meine Wohnung behalten kann. Seine Freundin nahm mich tröstend in den Arm. ‘Er war alt und krank und wollte sterben.’ – Unkündbar in einem Haus mit netter Mieterschaft, das wär’s .Das wäre eine schöne Mitte.

Hinterlasse einen Kommentar