Meins!

Mit 13 hatte ich einen Freund, so wie man in dem Alter einen hat. Zwischen uns war nichts, außer dass wir eben miteinander ‘gingen’. Er war schon 15 und hatte ein  Fahrrad – und eine Mutter. Ich bequatschte ihn ewig, dass er mir doch die Hälfte seines Rades und die Hälfte seiner Mutter abgeben solle. Das hat er nicht verstanden und meinte nur immer, ich könne doch mit dem Rad fahren, so oft ich nur wolle. Das wollte ich gar nicht, ich wollte, dass mir das halbe Rad   g e h ö r t e . Und ich wollte die Hälfte seiner Mutter. Später im Kinderheim gab es eine Puppe, die ich gern geliebt hätte, hielt mich aber  zurück, denn sie gehörte dem Heim. Ich bettelte und bettelte, die Puppe sollte nur mir gehören. Das ging nicht,  aber ich könne doch mit ihr spielen, wie ich wollte. Nein, wollte ich nicht. Im Kinderheim war das Verleihen von Kleidungsstücken verboten. War mir recht, ich hätte nichts verleihen wollen. – Nach dem Tod meiner Mutter lebte ich allein mit meinem Vater, ohne nennenswerte Kontakte zu anderen Menschen. Aus dem Kindergarten hatte er mich abgemeldet. Meine Eltern hatten Tennis gespielt und ich besaß etliche abgespielte Bälle, die gut sprangen. Mein Vater beschrieb ein ausgedachtes Mädchen, das arm war und keinen Ball besaß. Die Mutter nähte dem Kind einen Ball aus Lumpen, der aber nicht sprang. Mein Vater fragte, ob ich nicht einen meiner Bälle verschenken könnte. Um Himmelswillen, nein! Mein Vater beschrieb das arme Kind, dass es einen Stein erweicht hätte, aber mich nicht. Meine Abwehr gipfelte in dem Satz ‘Lieber schmeiße ich ihn weg’, und so fühlte ich das auch. Was wohl mein Vater über sein scheußliches Kind gedacht hat? Vielleicht mochte  er mich nicht besonders. Er verließ mich dann auch für Frau H. Schrecklich! Er war doch   m e i n  nur mein innig geliebter Vater. Den Verlust habe ich  wirklich nie überwunden.

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