Jeder hat so seine Rituale. Bei Haakes wurde aufgeräumt. Das habe ich beibehalten. Bad und Küche sind fertig. Ich habe Öllämpchen gefüllt. Winterzauber heißt der Duft und riecht nach Rasierwasser. Eine Kerze im Glas hab ich von der Straße mitgebracht. Sie riecht nach Räucherstäbchen.
Der befürchtete Krawall beginnt, lässt mich aber kalt, weil ich nachher zu meiner Nachbarsfamilie gehen kann. Und wenn es Silvester unerträglich wird, kann ich die Ferienwohnung buchen.
Gestern gab es in der Passage niedliche Weihnachtsbäumchen mit LED-Beleuchtung. Zu teuer, die kaufe ich dann wieder nach Weihnachten, wenn sie mir hinterhergeschmissen werden. Aber einen möchte ich heute doch als Gastgeschenk kaufen. Ausverkauft. Also dann eine Azalee.
Jedes Jahr bekomme ich von Herrn Dold die Weihnachtskarten, die er als Dank für eine Spende erhält. Dieses Jahr hab ich eine an Christel geschickt und eine für Silvi in den Briefkasten gesteckt. An Jutta K. hätte ich gern geschrieben, weiß aber die Adresse nicht. Sie hat mich bei sich aufgenommen, als ich Heilig Abend aus meiner Wohnung vertrieben wurde. Wir hatten uns wenige Minuten vorher am Rathaus kennengelernt. Silvester durfte ich dann auch bei ihr übernachten. Jetzt wohnt sie in einer Seniorenanlage. Ich denke oft an sie. Ich stand verzweifelt auf der Straße und sie nahm mich einfach mit.
Krach! Rums! Trampel! Jutta v. W. hat geschrieben ‘vielleicht sind sie ja Weihnachten gnädig’, nein sind sie nicht. Friede auf Erden!
Viele Jahre zurück. Ich stand mit meinem Freund an einer Currybude. Heilig Abend. Fast alles geschlossen. Wir hatten Hunger und aßen eine Wurst vom Pappschälchen. Der Mann neben uns fragte ‘Habt ihr och keen Zuhause?’ Ein anderes Weihnachten war es edler. Ich ging mit einem Freund indisch essen. Die Inder hatten Heiligabend geöffnet. Darum ging ich auch einen anderen Heilig Abend mit Edda zum Inder. Etwas später, als sie ihr Bordell am Abend geschlossen hatte. Ich glaube, ich habe mal darüber geschrieben. Von ihr stammt der Satz ‘Heul nicht rum, selbst gewähltes Schicksal’.
Liebe Nachbarn, es war schön bei euch, so schön, wie es eben für mich sein kann.