Im Radio läuft eine Sendung über misshandelte Kinder während der Kinderlandverschickung, und zwar zu einer Zeit in der auch ich verschickt wurde. Leider habe ich so gut wie keine Erinnerung daran, aber ich weiß, misshandelt wurde ich nicht. An das Essen kann ich mich auch nicht mehr erinnern, aber wäre es ungenießbar gewesen, wüsste ich„Kinderlandverschickung“ weiterlesen
Autor-Archive:Jutta Klose
Tipp tipp tipp
Mein Laptop ist angeblich zu alt, zu langsam, hat zu wenig Speicherplatz und kein Netz und verweigert jegliche Mitarbeit – jedenfalls bei mir. Dann kommt Rhishi – tipp tipp tipp – und alles funktioniert. Er zeigt mir, wie er es gemacht hat. Ich lege los. Nichts geht. Ich mache genau das, was Rhishi mir gezeigt„Tipp tipp tipp“ weiterlesen
Privilegiert
Die Abiturienten sind traurig, dass wegen Corona ihre große Abiturfeier ausfallen muss. Mir fällt unser Abitur ein. Nach den Prüfungen ging die Klasse in ein Lokal gegenüber. Eigentlich hätte ich ins Heim gemusst, hatte aber verlängerten Ausgang bis spätestens 22 Uhr. Edda durfte auch in das Restaurant kommen. Sie brachte ein paar Blümchen mit. Dann„Privilegiert“ weiterlesen
Messer und Gabel
Bei H.s wurde ‘normal’ gegessen. Wenn es Kotelett gab, auch mit Messer und Gabel. Im Heim aßen wir manierlich, aber ohne den Zwang, die Ellenbogen an den Körper zu pressen. Bei Volker zu Hause wurden die Schnitten mit Messer und Gabel gegessen, was ich unbequem und überkandidelt fand. Dann bekam ich von den Eltern die„Messer und Gabel“ weiterlesen
Mächtig
Ich bekomme eine E-mail mit der Formulierung ‘mächtig gewaltig’. Woher kenne ich das? Ich frage mein schlaues Kästchen, und eine freundliche Stimme erklärt mir, das sei aus der Olsenbande und war ein geläufiger Begriff in der DDR. – Jeden Tag aufs Neue bin ich begeistert von dieser Informationsquelle. Nur den Text in dem das Wort„Mächtig“ weiterlesen
Sonnenfleck
In den Keller kam keine Sonne, nicht einmal Tageslicht. Aber einmal stand die Sonne so, dass sie auf irgendeine Scheibe, von dort auf eine andere und von da aus durch mein Kellerfenster fiel und einen Sonnenfleck erzeugte. Ich stand da und starrte entzückt auf die kleine Stelle. Das fällt mir eben ein, weil meine Nordküche„Sonnenfleck“ weiterlesen
Arbeitskleidung
80 % der Sachen, die den Schrank vollstopfen, ziehe ich nicht mehr an. Die hebe ich auf zum Fensterputzen, Heimwerken oder für die Balkonarbeit. Für die nächsten hundert Jahre habe ich Garderobe für Schmutzarbeiten. Nur, wenn ich dann auf dem Balkon rumgrabe, trage ich ein Paillettenoberteil, eine Seidenbluse oder ein teures Hemd. Wenn dann ein„Arbeitskleidung“ weiterlesen
Mal reden
Herr St. bietet mir in schöner Selbstlosigkeit an, ihn anzurufen, wenn ich mal reden möchte. Spitze! Nachher kommt Rhishi, und wir reden eine Stunde lang intensiv, denn er lernt Deutsch bei mir. Sicher ruft Heidrun an, dann reden wir bis ihr Freund den Kopf schüttelt. “Was habt ihr euch jeden Tag zu erzählen?” Dann ein„Mal reden“ weiterlesen
Masken
Warum lächeln mich die Leute nicht mehr an? Weil sie nicht sehen können, dass ich lächle. Oder sie lächeln und ich sehe es nicht. Ein Mann an der Haltestelle sieht mich intensiv an. Sicherheitshalber sage ich: “Man erkennt die Leute überhaupt nicht mehr.” “Da hast du recht. Schönen Feiertag auch!” Jetzt erkenne ich ihn an„Masken“ weiterlesen
Tagebuch
Schon bei Frau H. schrieb ich Tagebuch. Das wurde mir damals zum Verhängnis als meine Pflegemutter es vorgeIesen hat. Später bei Frau Z. fing ich wieder damit an und im Heim schrieb ich weite.Wenn ich heute lese, was ich damals geschrieben habe, finde ich das unerträglich, und einige Seiten hab ich auch schon verbrannt. Dann„Tagebuch“ weiterlesen