Davon hab ich bestimmt hundert. Auch auf dem Balkon stehen einige. Ich zünde sie nie an. Es ist niemand da, mit dem ich auf dem Balkon sitzen könnte. Für mich allein hab ich keine Lust auf Kerzenlicht. Überhaupt sitze ich kaum auf dem Balkon. Einmal wegen der unangenehmen Nachbarschaft, aber auch weil allein auf dem„Windlichter“ weiterlesen
Autor-Archive:Jutta Klose
Chic chic
Mit Heidrun 8 km gelaufen. Die Erschöpfung ist mir ins Gesicht geschrieben. Die Haare oll und strähnig, morgen habe ich einen Frisörtermin. Das schwarze Oberteil ohne Glanz, Glimmer, Pailletten oder Spitze, nur schwarz. Der Rock ein Billigfummel von H&M. – Eine Gruppe Frauen sitzt in der Hauptstraße. Eine lächelt mich freundlich an und sagt ‚chic„Chic chic“ weiterlesen
Always love you
In einer Sonntagnachmittagssendung wird das Lied von Whitney Houston gespielt. Das hab ich lange nicht gehört, es passiert nichts, ich denke nur über das ‚always‘ nach. Die Männer, die ich ewig zu lieben glaubte, liebe ich nicht mehr. Mit zwanzig oder dreißig darf man so was gar nicht behaupten. Jetzt bin ich in einem Alter,„Always love you“ weiterlesen
Totalschaden
Mir fällt wieder der Satz meiner ersten Pflegemutter ein, ‚was die mit den Händen macht, schmeißt sie mit dem A… wieder um‘. Wie recht sie hatte! Ich wollte nur einen Untersetzer verschieben. Knirsch! Das Plastik zerbröselt. Jetzt muss ich umgestalten. Eine ungeschickte Bewegung, ein großer Topf, reich behängt und mit kleineren Töpfen drauf, fällt runter,„Totalschaden“ weiterlesen
Privilegiert
Mein lebenslanges Elend ist die Obdachlosigkeit. Ich wollte von Frau Z. weg und zog für knapp zwei Monate in ein scheußliches Untermietszimmer. Dann nahm mich Frau L. auf, und ich schlief im Zimmer von Wolfgang. Frau L. vermittelte mir dann den Keller. Meine jetzige Wohnung war viele Jahre Baustelle und zeitweise unbewohnbar. Dann sollte ich„Privilegiert“ weiterlesen
Liebe
In dem Film ‚Weihnachten gibt es Schnee‘ hat mir am besten der Satz gefallen: ‚Eines Tages werde ich dich nicht mehr lieben‘. Ich liebe dich seit einigen Jahren nicht mehr. Alle Liebe ist in mir verbraucht, restlos. Ich liebe niemanden, hänge mein Herz nur noch an Sachen, nicht mehr an Menschen. Ich will niemanden mehr„Liebe“ weiterlesen
Maiblätter
Jedes Jahr nehme ich mir vor, jetzt schmeiße ich den Topf weg. Denn erst passiert gar nichts, so dass ich denke, ist eingegangen. Dann, schon mit der Mülltüte in der Hand, entdecke ich grüne Spitzen. Niemals könnte ich grüne Spitzen umbringen! Dann wachsen Blätter. Aber es kommen keine Glöckchen. Nächstes Jahr trenne ich mich wohl„Maiblätter“ weiterlesen
115
Udo erzählt mir, dass er gar nicht gemerkt hat, dass sein Ausweis abgelaufen ist. Zu Hause sehe ich mal auf meinen. Aha, läuft demnächst ab. Also gehe ich zum Rathaus und bekomme dort einen Zettel mit der Behördennummer. Die rufe ich an und rede erst mit einer Maschine, dann mit einem Mitarbeiter. Ich bekomme einen„115“ weiterlesen
Einsam
Im Radio klagt ein Mann über die entsetzliche Einsamkeit zu Coronazeiten, nein, es ist alles so schrecklich, wie er da allein auf der Rolltreppe fuhr, er hat zwar den Hund, aber das Alleinsein ist doch unerträglich. Dann sagt er, dass er froh ist, dass er noch seine Frau, seinen Sohn und die Schwiegertochter und„Einsam“ weiterlesen
Negerpüppi
Ich war erst kurz in der Pflegefamilie und hörte, dass die Tochter zu Weihnachten eine Negerpuppe bekäme. Die Oma sagte ‚nen Swatten‘ und bestrickte das Puppenkind. Die Freude zu Weihnachten war groß. Etwas später lief der Film ‚Toxi‘, und alle fanden Toxi süß. Wir aßen – besonders zu Kindergeburtstagen – Negerküsse, z. B. ohne die„Negerpüppi“ weiterlesen