Wie kann es sein, dass ich drei Stunden auf dem Balkon arbeite und es sieht schlimmer aus als vorher. Vorher ein etwas vernachlässigter Winterschlafbalkon, dann ein total eingesautes Schlachtfeld. Alles abgeschnittene Welke und Rausgerupfte liegt auf dem Boden. Beim Rausnehmen abgestorbener Pflanzen krümelt Blumenerde runter und vermischt sich mit dem Gießwasser zu schwarzer Pampe. Besen,„Schlimmer als vorher“ weiterlesen
Autor-Archive:Jutta Klose
Barbie
Scheußlich, diese Puppe. Das sagte ich auch den Kindern. Die Mädchen liebten sie dennoch, kämmten die Kunsthaare und zupften an den Kleidchen und Kettchen dieser anatomischen Verirrung herum, da konnte ich so angewidert gucken, wie ich wollte. Heute treffe ich die Frau, die früher für meine Nachbarin eingekauft hat. Sie möchte sich gern bei einem„Barbie“ weiterlesen
Wo ist die Nagelschere?
Erst mal die üblichen Stellen absuchen, im Bad, auf dem kleinen Tisch, im Schlafzimmer, sogar in der Küche – nichts. Dann gründlicher. Den kleinen Tisch abräumen, zur Seite schieben (runtergefallen?). Auf dem Fensterbrett suchen – ach, da liegt ja die Papierschere! Dann während der 30 Grad-Wäsche im Bad alles genau durchsuchen, mehrmals (was besonders blöde„Wo ist die Nagelschere?“ weiterlesen
Entgiften
‚Hass schadet der Seele‘ – so steht es auf einem großen Transparent neben einer Kirche in Neukölln. Was auch unter ‚Seele‘ verstanden wird, wir wissen ungefähr, was gemeint ist. – Hass schadet nicht nur der Seele, er vergiftet den Körper, macht hässlich, ist Ursache für Krebs, Magengeschwüre und Schlaflosigkeit. Ein widerliches Gefühl. – Was aber„Entgiften „ weiterlesen
Zu Picasso
Seit Tagen krame ich nur in der Wohnung rum. Meine Ausrede ist das Wetter. Dieser ständige Wind und immer wieder Regen. Einige meiner Bekannten verlassen ihre Wohnung nicht, weil sie es nicht können oder nicht wollen. Das ist mir so unbegreiflich und warnendes Beispiel. Ich muss raus, raus, raus. Und seit Tagen nur bis zur„Zu Picasso“ weiterlesen
Noch mal zu Picasso
Sonntag bin ich zur BVG-Auskunft gegangen um die Strecke nach Potsdam zu erfragen. Ist noch Schienenersatzverkehr? Nein. Na prima. Die Nacht war schrecklich, und ich fühle mich auch so. Bloß weg. Heidrun warnt. Die Züge werden rappelvoll sein. Egal. – Der Bahnhof ziemlich leer wie immer, und im Zug reichlich Platz. Aber dann in Wannsee: „Noch mal zu Picasso“ weiterlesen
Blühender Irrtum
Ich sehe nicht mehr besonders gut, aber fürs Grobe komme ich ohne Brille aus. Auf einem winzigen Kaktus hab ich was Störendes bemerkt, einen Fussel oder ein abgefallenes Pflanzenteilchen von einem anderen Topf. Nun ist der Fussel immer noch da, und ich werde ihn mit einer Pinzette vorsichtig entfernen – dachte ich. Denn als ich„Blühender Irrtum“ weiterlesen
Der eine hat ein trautes Heim
Der eine hat ein trautes Heim, der andre traut sich gar nicht heim ‚Man kann einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen, wie mit einer Axt.‘ – Heinrich Zille In einer Ausstellung in Neukölln habe ich gelesen, dass in Berlin täglich 27 Menschen entmietet werden, d. h. die Wohnung wird geöffnet, der Mieter„Der eine hat ein trautes Heim“ weiterlesen
Papstsegen
Den Papstsegen nahm ich sehr ernst. Ich räumte vorher auf und gab mir große Mühe, an Gott zu glauben, bereute meine Sünden und hoffte, mir würde vergeben. Wie ein weißes Blatt Papier. Kurz darauf entstanden dann die ersten Flecken. Urbi et orbi. Dann bekam ich mit, dass die Vergebung nur für Katholiken nach bestimmten Regeln„Papstsegen“ weiterlesen
Vernissage
Als L. hier noch wohnte, brüllte er mir jedes Mal, wenn er mich sah ‚jehste uff ne Wernisasch?‘ entgegen. Und ich antwortete jedes Mal, ich ginge in eine Ausstellung, erklärte ihm auch, was das Wort bedeutet. Egal, er blieb bei seiner Formulierung. Im Haus am Kleistpark gab es eine Eröffnung, und weil ich um die„Vernissage“ weiterlesen