Man sieht’s am Gang und an den Haaren

Ein Vomsehenbekannter kommt mir entgegen, in Gedanken hab ich ihn erst spät gesehen. Ich beklage mich, dass ich hinter den Lappen im Gesicht kaum jemanden erkenne und wundere mich, dass   i c h    erkannt werde, wahrschein,ich wegen der Haare. Ja, die fallen auf, sagt der Bekannte. Eine Dame, die gerade in ihre Haustür„Man sieht’s am Gang und an den Haaren“ weiterlesen

Schon weg

Ohne die geringste Aussicht auf eine Wohnung bereite ich einen Umzug vor, denn es ist hier einfach zu scheußlich. Jeden Tag werfe ich vom Balkon was weg und kaufe nichts Neues. Alte Batterien werden überprüft und entsorgt, Die Türdekoration habe ich schon abgenommen, diesmal gibt es keine Osteranhänger. Beim Einkaufen habe ich genau hingefühlt, ob„Schon weg“ weiterlesen

Grüne Spitzen

Wegen der vergifteten Beziehung zu meinen Mitbewohnern ist mir auch der Balkon verekelt. Dort werde ich durch Lärm, Schmutz und Gestank vertrieben. Aber als ich dort nach dem Rechten sehe, hat die Korkenzieherweide grüne Spitzen. Das ist rührend. Trotz Minusgraden kommt der Frühling – und neue Hoffnung. In der Passage kaufe ich ein kleines Nadelbäumchen.„Grüne Spitzen“ weiterlesen

Zu schnell – zu langsam

Die Zeit vergeht zu schnell. Es ist zu schnell Freitag, zu schnell Monatsende, zu schnell das Jahr vorbei. Eben sehe ich im Fernsehen einen ehemaligen Schüler. Ich habe ihn damals ermuntert, trotz hämischer Bemerkungen seine Puppe mit zur Schule zu bringen. Nicht eingewickelt, sondern auf dem Arm. Er hat das stolz gemacht, und unsere Klasse„Zu schnell – zu langsam“ weiterlesen

Vatis Geburtstag

Ich weiß die Daten meiner Eltern nicht, nur den Geburtstag meines Vaters, weil er immer wieder gesagt hat: ‘Einen Tag vor Frühlingsanfang’. Diesmal ist es nicht einen Tag davor, sondern genau Frühlingsanfang. Und er erklärte mir, dass ich immer sein Alter wisse, wenn ich zu meinem 50 dazuzähle.  Aber ich habe keine Notiz von seinem„Vatis Geburtstag“ weiterlesen

Kein Pieps

Über die wirklich wichtigen Ereignisse in meinem Leben steht kein Pieps in meinen alten Tagebüchern. Mein größter Erfolg war das Abitur. Kein Wort darüber. Ich war zwar noch wie gelähmt vor Erschöpfung, vielleicht auch zu ausgelaugt, um mich zu freuen, aber wenigstens ein ‘Ich habe es geschafft’ könnte doch da stehen. Auch heute noch behaupte„Kein Pieps“ weiterlesen

Die Schraubzwinge

Vor einiger Zeit hab ich geschrieben, wie ich meine Nagelschere gesucht habe. Die ist winzig klein und meine  Wohnung riesig groß. Aber jetzt vermisse ich eine Schraubzwinge, einen Meter lang. Erst suche ich in der Handwerkzeugecke. Nein, hier ist sie nicht. Dann in allen Zimmerecken. Auch nicht. Die Tür zwischen Flur und Balkonzimmer vorsichtig geöffnet,„Die Schraubzwinge“ weiterlesen

Die Erinnerung täuscht

Was ich so von früher schreibe, stimmt möglicherweise nicht. Beim Lesen meiner alten Zeugnisse stelle ich fest, dass ich vieles ganz anders in Erinnerung habe. In der Grundschule hatte ich nur zweimal eine Eins in Musik, am TZ sogar nur einmal.  Meine Musiklehrerin an der Grundschule war super. Von ihr habe ich soviel gelernt, dass„Die Erinnerung täuscht“ weiterlesen